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Zwei Veganer unterhalten sich

„Ich muss dich jetzt mal was fragen. Ich habe ja viele Menschen in meinem Umfeld, die nichts vom veganen Leben halten. Sie reden immer von leben und leben lassen, aber kaufen Produkte vom toten Tier. Das ist doch Heuchelei, aus der kein Friede zwischen Mensch und Tier entstehen kann. Inzwischen reagieren sie schon gar nicht mehr auf das, was ich sage. Wann wird die Menschheit endlich wach? Mich macht das wütend.“

 

„Ich würde dir gerne eine Geschichte erzählen: Es geht um einen alten Meister, der sich entschieden hatte, nicht mehr zu kämpfen. Trotz seiner Entscheidung wurde er von einem jungen Krieger herausgefordert. Der Meister saß nur da und reagierte nicht. Daraufhin versuchte der Krieger, ihn zu provozieren. Er beleidigte ihn und seine Vorfahren aufs Heftigste. Geduldig ertrug der Meister die Beschimpfungen; schließlich entfernte sich der Krieger frustriert. Die Schüler des Meisters konnten nicht verstehen, dass er sich nicht gewehrt hatte; sie schämten sich seiner sogar. Daraufhin fragte der Meister: ‚Wenn euch jemand ein Geschenk geben will, und ihr nehmt es nicht an – wem gehört es dann?‘
Die Schüler antworteten: ‚Natürlich immer noch demjenigen, der es verschenken wollte.‘
Der Meister fuhr fort: ‚So ist es auch mit Neid, Ärger, Angst, Sorgen, Wut und Hass. Wenn wir das alles nicht annehmen, bleiben diese Gefühle bei dem anderen.‘“

 

„Hm, die Geschichte stimmt mich nachdenklich. Du glaubst also, sie ignorieren mich gar nicht, sondern möchten nur in ihrer Selbstzufriedenheit leben? Aber sie können doch nicht zufrieden mit sich und der Welt sein, wenn sie tote Tiere essen. Das ist unfriedlich!“

 

„Du hast mir eingangs erzählt, dass es dich wütend macht, wenn andere Menschen weiterhin Fleisch essen und deine Argumente ignorieren.“

 

„Ja, genau!“

 

„Dann stelle ich dir nun eine Frage: Wo glaubst du, entsteht Frieden?“

 

„Ich denke, jeder ist für seinen eigenen Frieden verantwortlich.“

 

„Und wenn du Wut empfindest, wie sieht es dann in dir aus? Friedlich?“

 

„Nein, natürlich nicht!“

 

„Merkst du also, was geschieht? Du bist erst dann im inneren Frieden, wenn alle anderen sich so verhalten, wie du es gerne hättest. Ist dir bewusst, dass du mit diesen Erwartungen keinen inneren Frieden finden kannst, weil du selbst ein Krieger bist? Du machst deinen inneren Frieden vom Außen abhängig.“

 

„Hmmm. Das ist ein neuer Gedanke, den ich mal sacken lassen muss.“

 

„Tu das. Ich kann dir nur sagen: Seitdem ich das verinnerlicht habe und danach handle, ist es in mir und um mich herum wesentlich friedlicher geworden. Toleranz und Akzeptanz sind in meinen Augen die Zauberwörter. Solange ich andere verurteile, lehne ich selbst noch etwas in mir ab. Erst, wenn ich mich angenommen habe, wie ich bin, mit allen Schattenanteilen, kann ich auch andere so sein lassen, wie sie sind. Es geht nur so. Auch wenn unser Ego gerne zig JA ABER auf Vorrat hat …“

 

Kerstin Werner aus dem Buch "So ist das also! Die Herzenssprache verstehen"

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